GASTHOF STERN

Am Beginn des Ötztals im Kirchspiel Oetz lagen fünf Frauenchiemseer Anwesen, dazu zählte der Keilshof in Oetz. Zu diesem großen Hof gehörte der 1573 erstmals durch eine Inschrift am Haus erwähnte, doch mit Sicherheit ältere und 1615 noch einmal erweiterte Gasthof. Der Gastgeb war zugleich auch "Gerichtsanwalt" und Kämmerer von Frauenchiemsee für das nördliche Ötztal. Seine Amtsräume dürften im Keller des heutigen "Gasthofs zum Stern" in Oetz gelegen haben. Das Anwesen zieren prächtige Renaissance-Malereien.

Seine Lage in der Mitte des Dorfes an etwas erhöhter Stelle lässt erkennen, daß dieses Haus zu den ersten und ältesten des Dorfes gehörte.

     Wappen des
     Christian Rott


Christian Rott gewester Gerichts Anwalt auch Gastgeb alda sambt seiner Ehefrawen Margretha Leeherin

dazumal an diesem Haus vil veranndert und gebaut hat. Anno 1573. Hernach sein Sohn

Christof Rott diss Haus hatt Gerichts Anwalt Gastgeb und Khiemsee‘scher Camerer allda an diesem

Haus gar viel verneueren lassen zwar und sambt seiner Ehefrawen Anna Singerin damal und alsdann

Widerumben aufgepaut und gemacht hat 1617. Gott vergleich uns alle hie und dort sein Gnadt.         

                                                                                                                                      [Inschrift an der Hausfront]


    Das Geschlecht der Rott

Im Jahr 1600 brannte das Dorf Oetz vollständig nieder. Auch der Gasthof Stern war betroffen und wurde von Christof Rott (s. Inschrift) wieder auf- gebaut.

Die Familie Rott war ein reiches und angesehenes wappenführendes Ge- schlecht. Laut Überlieferung sollen sie um 1300 von Hall in Tirol gekom- men sein. Die Blütezeit des Geschlechts umfasste das 16. und 17. Jahrhun- dert. Nach einer Güterbeschreibung, die Christof Rott 1619 anlegte, hinter- ließ Christian Rott fünf Kinder. Vier Kinder blieben, reich begütert, in Oetz ansässig. Teils durch Erbschaft, Kauf oder Neubau erworben, besaßen sie 6 oder 7 der größten und schönsten Häuser im Dorf; ebenso die meisten und besten Felder in Oetz und Sautens, einen Fischteich beim Dorf Oetz, sowie Almrechte für zahlreiches Vieh in den Almen Tumpen und Sulztal. Christof Rott besaß dazu noch Häuser und Güter in Sautens und Längenfeld, sowie Grundgülten, von welchen er „jetzt und ewiglich“ Grund und Herrenzins einzunehmen hatte. Die Güter in Längenfeld dürfte ihm seine Frau mit in die Ehe gebracht haben, da die Singer in Längenfeld beheimatet waren.

Seinen Besitz in Oetz allein schätzt Christof Rott auf 10.000 Gulden. Vom Sternhaus selbst schreibt er: „Dies Haus hab ich von meinem Vatter erbweis übernommen, es gehört zwar in den Keilhof, zahlt aber keinen Grundzins, Zöchent, Steuer, Ablagen od. sonstige Dienstbarkeit, nichts schuldig und verpun- den, sondern frei, endt ledig u. eigen, soll jedoch bei künftiger Veränderung an die Khiemseeische Grundherrschaft gebracht werden. Es ist mir für eigen Zuge- kommen und ein Anschlag per 600 Gulden.“Ein Teil der geräumigen Keller dürf- te sogar zeitweilig als Gefängnis gedient haben. Das Kloster hatte dort Ketten zur Sicherung der Türen einmauern lassen.

Als Kämmerer des Stiftes hatten die Rott die Verwaltung der Besitzun- gen des Klosters im ganzen Oetztal inne. Sie umfasste ungefähr 50 Höfe von Sautens bis Vent. Diese Höfe besaßen die Bauern zur Erbleihe und wa- ren daher zu gewissen Abgaben verpflichtet.


   Magdalena Haidenbucher

             Äbtissin (1609-1950)

    Güterverzeichnis des Gasthof

    Stern aus dem Jahr 1619

Güterverzeichnis des Gasthof Stern:

Innenseiten


Die 20 Schweighöfe lieferten zusammen 5.000 kleine Käseleibe jährlich, andere Schafe, Tuch, Felle, Leinsamen. Wieder andere Bauern lieferten den Klosterwein von den chiemseeschen Gütern in Südtirol durch das Passeiertal über das Timmelsjoch weiter durch das Oetztal nach Oetz. Hier wurden viele dieser Waren sicherlich im Sternwirtshaus zwischengelagert - noch bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts standen auf dem Dachboden große Korn- und Leintruhen - und dann durch das Sellraintal hinauf bis zum Inntal geschafft, wo sie bei Axams auf dem Inn nach Bayern befördert wurden.


Auf der Südseite des Gasthofes ist ein Säumerzug zu sehen. So ähnlich wird es ausgesehen haben, als die Ab-

gaben für Frauenchiemsee teilweise von Südtirol und dem gesamten Oetztal bis zum Inn transportiert wurden.

Impressionen aus dem Gasthof Stern

Die spätgotische Fassade wird durch 3 Geschosse mit Giebel geprägt. Ein Spitzbogenportal führt in das Innere des Gasthofes. Darüber ragt ein 5-seitiger Erker hervor.

Großartig ist die Malerei. Sie wurde 1573 angebracht. Es finden sich vor allem religiöse Motive:

Sündenfall - Hl. Christophorus - Kain u. Abel - David u. Goliath (1615) - König Josua - Drachenkampf des hl. Georg (1615)

Aber auch weltliche Bilder wie z. B. der Wagenzug und Warentransport wurden aufgebracht.


In unmittelbarer Nachbarschaft vom Gasthof Stern liegt der "Turm von Oetz" ...