OETZTAL

Der höchste Berg Tirols, die Wildspitze (3768), befindet sich in den Oetztaler Alpen. Der gesamte Gebirgsstock der Ötztaler Alpen hat rund 250 Dreitausender, 60 davon sind über 3.400 Meter hoch.


                 Die Besiedelung des Oetztals

Bereits vor 9000 Jahren wurde die Hochgebirgsregion des Innerötztals von steinzeitlichen Jägern durchstreift. Ein bedeutender Fund gelang 1991, als am Hauslabjoch eine Gletschermumie („Ötzi“) aus der Jungsteinzeit, etwa 3300 v.Chr., gefunden wurde. Das Tal war damals schon Hochweidegebiet. Der erste bekannte Volksstamm, der im Inntal siedelte und wohl vereinzelt ins vordere Ötztal vordrang, sind die Räter. 15 v. Chr. erobern die Römer das Alpengebiet, und das Ötztal kam zur Provinz Rätien.

Die entscheidende Besiedelung des Ötztals erfolgte von Norden her durch die Bajuwaren, die zwischen Alpen und Donau erstmals um 550 nachgewie- sen sind. Sie vermischten sich mit den dort ansässigen Rätern. Erste urkund- liche Nachrichten über eine Besiedelung des Tals sind aus dem 12. Jh. erhal- ten: Sölden wird 1150 als "Seldon" und das Ötztal 1163 als "Ezital" erwähnt.

Meinhard II. machte die Burg Petersberg bei Silz zum Gerichts- und Verwal-tungssitz, u. a. auch für das Ötztal (noch heute ist Silz der Sitz des Bezirksge- richts). Zu den mächtigsten Grundherren zählten damals neben dem jewei- ligen Landesfürsten die Herren von Schwangau bei Füssen, die Herren von Starkenberg bei Tarrenz, die Herren von Montalban bei Meran sowie als geistliche Herren die Klöster und Stifte Frauenchiemsee und Stams. Die Feudalherren gründeten Schwaighöfe, in denen ausschließlich Viehwirt-schaft betrieben wurde. Der Grundzins musste meist in Form von Käse- leibchen abgeliefert werden. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurden viele Schwaighöfe wieder aufgelassen und zu Almhütten umgewandelt.



Frauenchiemsee war der wichtigste Grundherr im Ötztal und beanspruchte dort etwa bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts das Hofmarksrecht, das aber dann zugunsten des Landesfürsten aufgegeben wurde. 1676 war Winterstall (südlich von Heiligkreuz) das südlichste Frauenchiemseer Gut in diesem Bezirk, es lag eigentlich noch im Venter Tal, das erst bei Zwieselstein in das Ötztal mündet. Es war eine Schwaige mit 4 Behausungen, Stallungen, Stadeln, einer Mahlmühle und 30 Kuhfuhrn.

Zwischen Winterstall und Kaisers im Ötztal lagen noch 11 kleinere Frauenchiemseer Anwesen. In Kaisers selbst stand die Schwaige Kaiserhof mit 56 Kuhfuhrn Grund, 12 Behausungen, einer Alm und mehreren Bergmähdern. Je eine Schwaige lag in Schmiedhof, Rechenau (südlich von Kaisers) und im Windachtal. Die größte Schwaige, der Kaiser- hof, diente 700 »Käsl« (sie wogen 1 Pfund, die großen Käse doppelt so viel), die kleineren Vieh- höfe meist je 250 Käse.


Weiter nördlich im Kirchspiel Längenfeld standen 17 Anwesen, darunter sechs Schwaigen sowie eine Alm, die Polltalalm (südwestlich von Hüben), die auch Schmalz dienen mussten. Davon lagen je ein Anwesen in Mühl und Gottsgut (nordwestlich von Hüben), zwei Schwaigen in Gries (östlich Längenfeld), zwischen Gries und Längenfeld noch sechs Anwesen und drei Schwaigen, in Oberlängenfeld eine, in Espan (nördlich von Längenfeld) zwei und zu Winklern (nördlich von Espan) eine Schwaige. Viele dieser Güter hatten ursprünglich Weinfuhren leisten müssen, die aber ebenso wie die Schafgült bereits in Geld abgelöst waren. Ein Hof diente an Stelle von »Schlögtuech« (Loden?) 36 Kreuzer. 1497 lieferten noch insgesamt vier Höfe je 8 Ellen »Slegtuech«. Weiter nördlich im Kirchspiel Umhausen befanden sich 64 Anwesen und fünf Almen, die Schmalz nach Frauenchiemsee dienten. Die südlichste war die Hintere Fundusalm (südwestlich von Umhausen), die östlichsten waren die Klein- und Großhorlachalmen. Von den Behausungen standen 34 in Umhausen, darunter die kurz vor 1676 neu erbaute Wirtstafern. Der Gastgeb hatte ähnlich wie der Wirt zu Oetz weiter nördlich auch die Funktion des Kämmerers.

Weiter lag ein Gut in Farst. In schwindelerregender Höhe klebt der Bergweiler Farst auf 1.482 Metern als steilste und gewagteste Ansiedlung des Ötztals über der Engelswand in Umhausen. Von unten gesehen meint man, die Häuser müssten am Berg festgebunden sein, einmal oben angelangt genießt man einen herrlichen Panoramablick.


Eine Schwaige befand sich in Sennhof (östlich von Umhausen), 27 Güter in und um Niederthai (östl. von Umhausen), eines in Tumpen (zwischen Umhausen und Oetz). Auch diese Güter hatten bereits ihre Weinfuhren in Geld abgelöst, ein Gut zahlte an Schafgeld 40 Kreuzer. 1497 hatten noch vier Höfe je einen Widder, zwei Höfe je 2 Widder, drei Höfe je 1 »Lamp Wider« und ein Hof 2 Schafe gedient.


                 Der Begriff "Schwaige"

Seit dem Ende des 12. Jh. wurden in Gebirgslagen, vor allem oberhalb der Grenze für Roggenanbau, wo auch der Anbau anderer Getreidesorten wie Weizen und Gerste nicht mehr sehr erfolg versprechend war (zwischen 1200 - 2000 m), Schwaigen angelegt. Der Begriff "Schwaige" (Bairisch: Schwoag) leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen "Herde" oder "Viehhof" ab. Die Schwaigen stellten die letzte Erweiterung der Dauersiedlung in höheren Lagen dar und waren Viehhöfe, die der Grundherrschaft vor allem Käse - als haltbares Produkt der Milchwirtschaft - abzuliefern hatten. Sie dienten nicht nur der Vermehrung von Besitz und Einkünften, sondern führten auch zur Erschließung und dauerhaften Besiedelung der abgeschlossenen Täler und Berggegenden. Die damit verbundenen kulturellen und wirtschaftli- chen Folgen sind unbestritten für den gesamten alpinen Raum.

In einer Schwaige standen mindestens 5-6 Kühe und 20-30 Schafe, dem Grundherrn wurden jedes Jahr, meist an St. Galli (16. Oktober), je nach Größe des Anwesens 150-350 der gut transportierbaren Käse gedient.

Aus dem Jahr 1257 überliefert das Frauenchiemseer Kopialbuch ein Bei- spiel für das Vorgehen beim Anlegen von Schwaigen:

Die Äbtissin Sophia (nach 1246 bis vor 1263) verlieh einem Konrad Zistiems ihre Alm Napes im Tuxer Tal und vereinbarte mit ihm, dass er dort aus seinen eigenen Mitteln Schwaigen errichten sollte, von denen die Hälfte unverzüglich dem Kloster zunutze sein, die andere Hälfte aber ihm und seinen Erben zustehen sollte, - für letztere war ein Zins von 2 Pfund Berner (auch Perner oder Veroneser genannt) jährlich an den Frauenchiemseer Maier in Wattens zu bezahlen. Unter den glei- chen Bedingungen übernahmen 1271 die fünf Brüder Helbling diesen Besitz, auf dem offenbar noch weitere Schwaigen angelegt werden konnten; im Laufe der Zeit gelang es ihnen, die Abhängigkeit von Frauenchiemsee zu lockern, so dass das Urbar (1330/50) die Alm unter den entfremdeten Gütern aufführt.

Dass eine solche Ausdehnung der Bewirtschaftung nicht nur auf Gründen der eigenen Grundherrschaft stattfand, sondern gelegentlich in die Bereiche anderer eingriff, zeigen die Beschwerden der Leute von Sellrain, wo bereits 1271 Frauenchiemseer Schwaighöfe erwähnt sind, und Axams: sie beklag-

ten sich 1312 darüber, dass der Verwalter der Frauenchiemseer Besitzungen in Tirol acht Höfe und Schwaigen auf ihrem Weideland angelegt hatte. Umge- kehrt hatte 1271 Graf Meinhard von Tirol eine Schwaige samt Viehbestand an Frauenchiemsee abtreten müssen, weil er sie offenbar auf dem Grund und Boden des Klosters errichtet hatte. Im Sellrain, im Ötztal und im Leukental verzeichnet das Frauenchiemseer Urbar eine Reihe von Schwaigen bzw. Höfen mit den für Schwaigen charakteristischen Käseabgaben.


                 Transport der Güter

Vermutlich wurden in Axams die nach Frauenchiemsee zu dienenden Na- turalien aus der Hofmark selbst, dem Ötztal, dem Sellraintal, aus Bozen und Innsbruck gesammelt und bei Innsbruck auf Flöße geladen. An der Landestelle der Propstei Wiesing kamen weitere Flöße mit Gütern hinzu, die dann im Verband bis Pfaffenhofen (Rosenheim) schwammen.

Fast alle Weinsaumdienste waren ebenfalls längst in Geld angeschlagen. Bereits im ältesten Tiroler Urbar werden die Weinlieferungen der Un- tertanen im Kössener Amt als abgelöst bezeichnet. Später erhielten auch die Bauern im Ötztal, in Silz, in der Hofmark Axams, in Hötting bei Inns- bruck und in der Propstei Wiesing eine entsprechende Befreiung. Die zu säumende Weinmenge überstieg bei weitem den Ertrag der Frauen-chiemseer Weinhöfe in Südtirol. Das bestätigt die Annahme, dass die Ab- gabepflichtigen den Wein (wohl Etschwein) selbst kaufen und dann beför- dern mussten. Nur das Frauenchiemseer Weingut am Ritten hatte noch selbst seinen Wein bis Axams zu transportieren und der Kammerhof in Angath zwei Robotfuhren bis nach Kufstein zu leisten.

Aus allen genannten Verpflichtungen ist der Weg des Frauenchiemseer Stiftweins gut zu verfolgen:

Der aus Obermais bei Meran kam übers Passeier Tal und das Timmeis- joch durch das Ötztal bis nach Axams. Der Wein aus Bozen und vom Ritten kam über den Ritten oder den Kuntersweg und das Eisacktal zum Brennerpass und dann ebenfalls bis nach Axams. Wie bereits erwähnt, waren auch bayerische Untertanen verpflichtet, den Etschwein weiter zu be- fördern, also zumindest von Pfaffenhofen am Inn bis nach Gstadt.

Der stiftseigene Wein aus Südtirol (die 16 Meraner und 8 Bozner Yhren wa- ren etwa 1.263l) konnte jedoch bei weitem nicht den Bedarf des Klosters dek- ken. Die Ablösegelder für die Weindienste wurden dafür verwendet, edle Tropfen aus anderen Regionen zu erwerben. Sehr beliebt war der Osterwein, er wurde zunächst in Wasserburg, dann jährlich weitaus günstiger direkt in der Wachau eingekauft, besonders gerne in Krems und Stein. Dazu erwarb man in Wasserburg oder auch München gelegentlich "Rhein- u. Neggerwein".

In Oetz befand sich noch der Frauenchiemseer Sennhof, je ein weiterer Hof stand in Au und Sautens sowie ein Hof außerhalb des Ötztals in Silz rechts des Inns zwischen Haiming und Stams. Der Keilshof, die Höfe zu Au, Sautens und Silz hatten die 1497 noch zu leistenden Weinfuhren von je 4 Lagen inzwischen in Geld abgelöst, auch zahlte der Keilshof für einen Widder 19 Kreuzer und der Hof zu Au an Schafgeld 40 x 134.

Insgesamt lagen im Ötztal zwölf große Schwaigen (auf deren Gelände bis zu zwölf bewohnte Behausungen und zahlreiche Nebengebäude standen), eine kleine Schwaige, 90 Güter und sieben Almen, sie dienten 1676 zusam- men 193 Gulden, 2 Käse und 16 Maß Schmalz.

Drei Jahre nach der Abfassung dieser Güterbeschreibung erlitten im März 1679 im Kirchspiel Längenfeld durch das "große Wassergießen der Verner" - eine durch den Fischbach östlich von Längenfeld ausgelöste Überschwem-mungskatastrophe - 129 Güter (hier wurde offensichtlich bei den Schwai- gen jedes einzelne Haus gezählt) einen Schaden von 37121 Gulden. Noch 1687 betrug die jährliche Stift statt damals 262 Gulden, nur 153 Gulden und 7 Kreuzer, "weil die Gründt noch nicht völlig repariert und bemaurt sein".



OETZ (Dorf)

Die Ortschaft Oetz liegt am Eingang des Oeztals in einer Talweitung zwischen zwei Bergsturzland-schaften und gilt als das Meran Nordtirols. Der traditionsreiche Ferienort liegt im vorderen Ötz-

tal Durch seine Beckenlage am Fuß des 3007 m hohen Acherkogel (dem nördlichsten Dreitausen- der der Alpen) ein besonders mildes Klima auf-

weist. In früheren Zeiten wurde in Oetz sogar Wein angebaut!

Der Ort besteht aus mehreren Weilern Durch den Hauptort fließt die Ötztaler Ache. Im sonnigen Talbecken, das der Tschirgant vor den kalten Nordwinden und der Acherkogel vor dem Föhn schüt- zen, gedeihen in den gepflegten Obstgärten noch Pfirsichbäume und sogar Edelkastanien.

Die alte Redensart "In Oetz geht man im Hemd, in Umhausen im Rock, in Sölden im Mantel" kommt nicht von ungefähr.

Die zwei Seeblätter im Wappen der Gemeinde Oetz sind als Motiv jenem der Ab- tei Frauenchiemsee entnommen. Das Wellenmotiv stellt den reizvoll gelegenen Piburger See dar. Wie das ganze Tal gehörte Oetz zum Gericht Petersberg bei Silz, das Herzog Meinhard II 1266/1267 unter seine Landesherrschaft brachte. "Dingstatt" (Ort des Gerichtstages) für das Ötztal war in Oetz, wonach das Tal nach dieser Gemeinde benannt wurde.

Der Ortskern von Oetz ist trotz Tourismus noch in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten geblieben. Eindrucksvolle Mittelflurhäuser mit Satteldächern prägen das Bild. Sie sind auf 2 bis 3 Geschosse gemauert. Die Satteldächer schützen sie vor Regen und Schnee. Manche besitzen noch Spitzbogenportale oder vieleckige Erker. In der Barockzeit wurde manche Fassade mit hübschen Fresken geschmückt.


Besonders beeindruckend ist das Gebäude und die Fassade des Gasthof Stern ...