SELLRAINTAL

Durch das romantische Hochgebirgstal geht es über Sellrain, Gries, St. Siegmund und Kühtai,  Österreichs höchst gelegenem Wintersportort (~2000m), hinunter nach Oetz.

Kühtai

bei Kühtai


Bis 1624 führten ausschließlich Saumpfade durch das Sellraintal. Ein Saumpfad (Saum = veraltet für Last, althdt. soum) ist ein für Wagen oder Gespanne zu steiler, zu schmaler oder zu unwegsamer Weg, auf dem früher mit Hilfe von Saumtieren Güter transportiert wurden. Die Güter wurden mit Packsatteln auf den Tieren befestigt. Ein Saumzug bestand aus einem oder mehreren Tieren, die hintereinander auf dem Saumpfad gingen. Oft wurde nur das erste Tier von einem Führer angeführt. Saumpfade fanden sich vor allem im Gebirge. Viele Alpenübergänge waren als Saumpfade ausgelegt und verfügten über ein Netz von Saumstationen, wo die Waren auf andere Tiere umgeladen wurden. 1320 wurde ein erster Saumweg über das Timmelsjoch angelegt.

Das Sellraintal, war vom 13. bis Anfang des 19. Jhdts. eine Grund- und Gerichtsherrschaft der Benediktinerinnen-Abtei Frauenchiemsee, war dem Hofgericht Axams zugeordnet. Vorallem in und um Sellrain, Ellmau, Tanneben, Durregg und Kniebis und St. Quirin, gehörten 27 Anwesen und die Seigisalm am Gamskogel zum Frauenchiemseer Urbar. Darunter waren vier große und drei kleine Schwaigen, die zwischen 133 und 220 Käse pro Hof dienten.

Für den Richter in Axams allein betrug die Summe der Abgaben aus dem Sellrain Tal 24 Gulden 2 Kreuzer, 1 Käse, 1 Scheffel 7 Metzen Bohnen, 1 Star 7 Metzen Gerste, 30 Hühner, 210 Eier, sowie 48 Kreuzer Schultergelt (Ersatzgeld für die abzuliefernden Schultern = vordere Schweineschinken)


                 Naturalien - Einzugsgebiete

Käse aus dem Sellraintal, dem südlichen Ötztal und dem Leukental, wo vom Jochberg und der Umgebung von Aurach die besten Käse kamen, die das Kloster hatte. Nicht so gut waren offensichtlich die Käse aus Eben am Achensee und aus Schmiding am Angerberg, die in Geld abgelöst wurden.

Schmalz kam aus dem Ötztal zwischen Längenfeld und Umhausen.

Getrocknete Bohnen diente das Sellraintal,

getrocknete Erbsen die Hofmark Axams,

Hafer kam aus der Hofmark Axams und vom Ritten bei Bozen,

Gerste aus dem Sellraintal.

Brotlaibe lieferten die Untertanen der Hofmark Axams, während die vor langer Zeit jährlich per Floß zu liefernden Brote aus Wiesing nicht mehr erwähnt werden.

Flachs dienten die Leukentaler Bauern aus Erpfendorf und der Umgebung von Kössen.

Der Stiftwein kam aus dem heutigen Südtirol, aus den Frauenchiemseer Weingütern am Ritten, in Gries bei Bozen und Obermais bei Meran; je nach der Qualität der Wege beförderten ihn Wägen oder Saumpferde.

Die Gans lieferte ein Untertan aus Innsbruck,

den Kastraun einer aus Axams,

Hühner und Eier dienten die Hofmark Axams und das Sellraintal,

Pfeffer kam aus Innsbruck.

Lämmer diente nur noch das Leukentaler Amt in Kössen, die im ältesten Tiroler Urbar noch erwähnten Abgaben an Widdern und Lämmern aus der Hofmark Axams und dem Ötztal sind bereits in Geld abgelöst. Ebenso endete die Lieferung von Stoffen aus dem Ötztal und dem Leukental. Auch die Verpflichtung der Untertanen in der Hofmark Axams und der Propstei Wiesing, Floßbäume zu stellen, wird nicht mehr erwähnt, man beauftragte später wohl gegen Geld gewerbsmäßige Flößer.


                 Die Maßeinheiten für Abgaben und Dienste

Bei den GELDabgaben findet sich in den älteren Aufzeichnungen das Pfund Pfennig, das 8 Schillingen oder 240 Pfennigen entsprach. In Bayern galten die Regensburger Pfennige, im Süden Tirols jedoch die kleinen "Perner" (Vero-neser) Pfennige, die etwas weniger wert waren. Spätestens seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde anstatt mit Pfund in Gulden gerechnet. Der Gulden zählte 60 Kreuzer oder 210 Pfennige oder 420 Heller. Der Pfennig entsprach also 2 Hellern, gelegentlich findet sich auch der Vierer, der 4 Heller oder 2 Pfennige galt.

Als Hohlmaß für das GETREIDE dienten Scheffel und Metzen, die regional sehr unterschiedlich ausfielen. Bei den weit verstreuten Frauenchiemseer Besitzungen galt das örtliche Maß, zum Beispiel das Bucher oder Meraner. In Tirol findet sich als Getreidemaß auch der Star, der etwa 30l fasste.

FLACHS wurde in Tirol in Sehet oder Schot gerechnet, das war ein Bündel gerösteten Flachses. In Bayern sagte man dazu Schab oder Schob. Daneben gab es den Schober, das war eine Menge von 60 unausgedroschenen Getrei- degarben.

Bei HEUabgaben ist oft von Schöberl die Rede, 24 Schöberl gingen auf eine Wagenladung oder ein Fuder Heu.

SCHMALZ musste pfundweise geliefert werden, das bayrische Pfund wog 0,56 Kilogramm.

Der Klafter HOLZ - den so viele Untertanen hacken mussten - fasste 3,13 Ku- bikmeter.

Beim WEIN beinhaltete in Bayern das Maß 1,061 Liter (in Tirol nur 0,811), der Eimer 56,651 Liter und ein Viertel 0,2651 Liter. In Meran und Bozen wurde auch mit Yhren gerechnet, die hier 79 und dort 82 Liter maßen. In Nordtirol hatte das Fuder Wein etwa 6001 Liter, im Leukental aber nur etwa 4801 Liter. 1 Fuder umfasste 5 Saum, 1 Saum wiederum 2 Lagel, letztere waren flache Holzfässer, die auf einem Traggestell montiert von Saumtieren über die Alpenpässe getragen wurden.


                 Peter Jordan aus Sellrain (1751-1827)

Peter Jordan wurde am 2. Februar 1751 in der Kirche des hl. Quirin und hl. Veit in Sellrain ge- tauft. Der Vorgängerbau wurde bereits 1391 ur- kundlich erwähnt. Der gotische Bau erfolgte zwi- schen 1487 und 1496. Wegen der hohen Kinder- sterblichkeit erfolgte die Taufe kurz nach der Ge- burt. Peter war das eheliche Kind des Bauern Franz Jordan und seiner Frau Maria, geborene Ka- pferer. Beide Namen kommen in Sellrain noch heute oft vor. Sie lebten am kleinen Weiler Dur- reg (Rögge) auf 1500 m Seehöhe.

Peter verdingte sich als Schafhirte. Als er 14 Jahre war, erkannte der geistli- che Kurat von Seilrain, dass Peter sehr aufnahmefähig und interessiert war. Er vermittelte ihm eine Ausbildung in Innsbruck. Dort sollte er als Klassen- bester die Anerkennung seiner Klassenkameraden gewinnen. Neben Theo- logie interessierte ihn die Medizin.

So ging Peter Jordan nach Wien, um am Heiligen Dreifaltigkeitsspital in der Währingerstraße bei Dr. Andreas Freiherr von Stifft, dem Leibarzt Kaiser Jo- sef II., zu assistieren und 1780 mit dem Medizinstudium an der Wiener Uni- versität zu beginnen. Im folgenden Jahr vertieft er sein naturwissenschaft-liches Wissen an der Universität Göttingen. Bereits 1783 übernimmt er die Lehrkanzel für physikalische Erdbeschreibung und Naturgeschichte an der Universität Wien. Sicher nicht geschadet hat ihm die Mitgliedschaft in der elitären Wiener Freimaurerloge "Zur wahren Eintracht".

Die Vertiefung und Optimierung der Landwirtschaft wird zu seinem Le- bensprojekt. Schließlich kann er sein Wissen im Muster-, Forschunqs- und Lehrinstitut im Schloss Vösendorf (Niederösterreich) praktisch umsetzen. Jor- dan wurde zum Vater der modernen Landwirtschaft. Seine Forschungen und Lehren schufen eine wissenschaftliche Basis. Er starb 1827 als kaiser-licher Regierungsrat und Universitätsprofessor in Wien.



Am Ende des Sellraintales geht es in langen Serpentinen hinunter ins Oetztal nach Oetz ...