AXAMS

Als Gründungsausstattung Tassilos wird in der frühesten verunechteten Urkunde Heinrichs IV. (1050-1106) von 1077 u. a. das Leukental und Axams genannt. Im ältesten Tiroler Urbar aus der Zeit um 1330 ist bereits ein großer Besitzkomplex verzeichnet, und 1585 erreichen die Abgaben aus Tirol schon ungefähr das Niveau bis zur Säkularisation 1803.

Der Ortsname "Axams" bedeutet "Ort auf der Höhe” und spricht die Lage auf einer Geländeterrasse an. Axams (~700 m) war Verwaltungszentrum der Abtei Frauenchiemsee über ihre Besitzungen im Inn- und Ötztal. Im Gericht Axams besaß Frauenchiemsee etwa zwei Drittel aller Bauerngüter und das Kloster beanspruchte die niedere Gerichtsbarkeit über seine Untertanen von Axams bis ins Sellraintal. Das Verwaltungszentrum Axams ist bereits 1342 als Hofmark belegt. Im Dorf selbst gehörten im Jahr 1676 101 Anwesen und eine nahe gelegene Alm zu Frauenchiemsee.


An die Frauenchiemseer Herrschaft in Axams erinnert heute noch das Koritlerhaus, - das alte Gerichtshaus (Sylvester-Jordan-Straße).  Das 1501 von der Äbtissin Ursula Pfäffinger zusammen mit dem Amtshaus erbaute Gefängnis wurde Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts abgebrochen.

Ein wunderschönes Christophorus-Fresko, das ab 1521 die Hauswand des Gerichtshauses zierte, befindet sich heute im Museum Ferdinandeum in Innsbruck. Das Haus war 1975 restauriert worden. Nach einem Hausbrand wurde das Fresko in das Tiroler Landesmuseum übertragen.

In die Welt des Volkstümlichen, der in den Gefahren des Lebens schutzbedürftigen Menschheit, führt das Fresko des hl. Christo-phorus.

Vorsichtig, aber sicher trägt der Riese das segnende Gotteskind über das Wasser, während der Sturm die Mäntel und Haare flattern lässt. Es ist ein tröstliches Bild mitten in den stürmischen Jahren um 1520, als die Spätgotik an neuen Ideen ihr Ende fand.



    Die Verwaltung der Besitzungen

Der Besitz des Klosters Frauenchiemsee erstreckte sich bekanntlich in Streubesitz von Niederbayern bis nach Südtirol.

Um die schon angesichts der Entfernungen nicht unproblematische Verwal- tung zu vereinfachen, wurden Ämter gebildet - in Niederbayern und Tirol auch Propsteien genannt. In den Aufzeichnungen fanden sich 19 kleinere bayerische Ämter, in Nordtirol sieben größere und in Südtirol ein kleines Amt. Die Einteilung der Ämter richtete sich häufig nicht nach den Grenzen der jeweiligen Landgerichte, sie dürfte wohl schon vor der Ausbildung der Gerichte entstanden sein.

In den kleineren nichthofmärkischen Bezirken diente häufig der größte Bauer als Amtmann und Anlaufstelle für die Untertanen. An den Stifttagen kamen in der Regel auch Frauenchiemseer Amtleute vor Ort, zu bestim- mten Anlässen - etwa bei ausbleibender Stift - erschien sogar die Äbtissin persönlich.

In den größeren Bezirken wurde ein Propst eingesetzt, in Tirol oft auch Kämmerer genannt. In den fünf Hofmarken (neben Frauenchiemsee waren dies Gstadt, Seebruck, Buch am Erlbach sowie Axams in Tirol) musste ein rechtskundiger Richter aufgestellt werden, da dem Kloster in diesen Bezirken die niedere Gerichtsbarkeit zustand. Er kümmerte sich meist auch um die Verwaltung. Sinnvollerweise hatten die Ämter unterschiedliche Stiftstermine vom Frühjahr bis zum Spätherbst. So verteilten sich sowohl der Verwaltungs- aufwand als auch die Abgaben gleichmäßiger übers Jahr.


Besitzungen Frauenchiemsees um 1300

Urbar der Tiroler Besitzungen, 1330/1350


                 Die Leiheformen, Reichnisse und Hofgrößen

Im Gegensatz zum Mittelalter dominierte bis zur Säkularisation als Leihe- form in den bayerischen Ämtern Frauenchiemsees die Neustift; Leib- und Erbrecht sowie Freistift sind relativ selten anzutreffen. Dieses Neustiftsrecht erlosch im Gegensatz zum Leibrecht nicht mit dem Tod des Bauern, sondern mit dem Ableben der Äbtissin. In Tirol hingegen galt seit einem Landes- gesetz von 1404 das Erbrecht als das normale Leiheverhältnis und tatsäch- lich wird in einem Verzeichnis von 1585 erwähnt, dass die dortigen Kloster-untertanen Erbrecht besaßen. Das Erbrecht war die günstigste Leiheform, bei der das Anwesen auch an die Nachkommen übergeben werden konnte.

Die Höhe der Reichnisse an den Grundherrn orientierte sich weniger an der Leiheform, sondern vor allem an der Hofgröße. Neben dem Geldzins bzw. der Baustift - in den Frauenchiemseer Aufzeichnungen oft auch "Pfen- niggilt" genannt - findet sich als eine kleine weitere jährliche Geldabgabe die "Ehrung", die meist 8-12 Pfennige betrug. Obwohl als Ehrung häufig eine Gabe an die Amtleute bezeichnet wird, scheinen diese Ehrungs-Pfennige an Frauenchiemsee gegangen zu sein. Dem Kloster mussten auch Natura- lien gedient werden, wie Getreide, Heu und Käse sowie als "Küchendienst" Eier, Hühner, Schmalz und sogar Brot. Oft hatten die Bauern noch Arbeits- dienste (Scharwerk) zu leisten, zum Beispiel als Erntehelfer auf den Kloster-wiesen oder als Fuhrleute. Beim Besitzwechsel musste auch eine festgelegte Summe (Laudemium) bezahlt werden, die sich an der Gutsgröße orientierte.

Für die Hofgröße wird in den meisten Frauenchiemseer Aufzeichnungen der Begriff Lehen verwandt (nicht zu verwechseln mit der Ausgabe eines Gutes als Lehen). In der Tiroler Hofmark Axams erscheint im Verzeichnis von 1497 jedoch das »Kammerland« als Maßeinheit, das dem Lehen entsprach. In den jüngeren Büchern verwandte man dann ebenfalls den Begriff Lehen. Heute findet sich das Kammerland immer noch als Orts- und Flurname im Raum Axams.

Gelegentlich wurden auch Angaben über die Größe der landwirtschaftlichen Flächen gemacht. In Bayern maß das alte Tagwerk (Jauchert/Joch) 0,6 Hektar. Das Ötztal mit seinem vielen Schwaigen hatte ein eigenes Maß, die "Kuefuer" (Kuhfuhr). Die Kuhfuhr war die Fläche, deren Ertrag für die Haltung einer Kuh ausreichte. Sie umfasste 0,29 bis 0,35 Hektar.


Der Geldzins in Axams betrug 60 Gulden 56 Kreuzer. An Naturalien fielen jährlich an: 25 Star 2½ Metzen »Arbes« (getrocknete Erbsen), 25 Star 2½ Metzen Hafer, 40½ Laib Brot, ein Kastraun (beschnit- tener Hahn), vier Hühner und vier Eier.


In Grinzens lagen acht Frauenchiemseer Anwesen, die 13 Gulden 51 Kreuzer sowie 2 Star ½ Metzen Erbsen, 2 Star 1½ Metzen Hafer und 3½ Laib Brot dienten. In Omes befanden sich vier Anwesen, sie lieferten 6 Gulden 10 Kreuzer, 3 Star 4 Metzen Erbsen, die gleiche Menge Futterhafer und 8½ Laibe Brot. In Birgitz lagen zehn Anwesen, sie dienten 10 Gulden 51 Kreuzer, 5 Star 2½ Metzen Erbsen, 5 Star ½ Metzen Futterhafer und 8½ Laibe Brot.



Von Axams aus geht es über die alten Saumpfade ins Sellraintal ...