Die Selige Irmengard

Um 850 stand die Selige Irmengard (831/33-866)

als erste namentlich bekannte Äbtissin der Abtei

vor. Sie war eine Tochter König Ludwigs des

Deutschen und Urenkelin Karls des Großen. Sie

starb am 16. Juli 866 im Alter von ca. 33 Jahren.

Die Überlieferung berichtet von ihrem heilig-

mäßigen Leben und Wirken. Die Tatsache, dass

ihre Gebeine unter dem südwestlichen Pfeiler des

Münsters in einem Marmorsarg bestattet wurden,

bestätigt diese Annahme. Um das Jahr 1000

wurde bei einer ersten Grabesöffnung ihre

Verehrung durch die Beigabe eines Bleitäfel-

chens bezeugt, das bis heute als wertvoller

Nachweis erhalten ist. Am Freitag, dem 17.

Oktober 1631, wurden die Gebeine Irmengards

aus ihrem ursprünglichen Grab erhoben.

     Gemälde Irmengards

     vor der Irmengardkapelle,

     von Sr. Gabriela Reiter,

     Abtei Frauenwörth, 1927

 


Bei dieser Gelegenheit fand man zur rechten Seite des unversehrten Skelettes ein beidseits beschriftetes flaches Bleitäfelchen:   

Hier ruht Irmingard, die Tochter Ludwigs, des erhabenen Königs, die über die Maßen selige Jungfrau ...  gesehen zur Zeit der Äbtissin Tuta. Vormals hatte sie (dem Kloster) viele Jahre vorgestanden.”
Unter den Versen steht am Rand: “Am 16. Juli legte sie den irdischen Leib ab.” ... und an der rechten Schmal Seite die Bitte: “ORA PRO NOBIS”  

Auf der linken Schmalseite und am oberen Rand ist beidseits ein Vers aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (Phil 4,4-5) angefügt:

“Glaubet und freut euch im Herrn alle Zeit! Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! Lasst alle Menschen Eure Güte erfahren! Der Herr ist nahe!”

Allerdings bleiben die historischen Quellen spärlich. Die Tradition des Klosters berichtet von ihrer Frömmigkeit, von ihrer Gottes- und Nächstenliebe, von ihrer Fürsorge für alle Armen ringsum. Die offizielle Seligsprechung erfolgte durch Papst Pius XI. im Dezember 1928.

Nach wie vor erweist sich die Selige Irmengard als Fürsprecherin in den vielfältigen Anliegen der Menschen. Tausende pilgern alljährlich zu der ihr geweihten Irmengard-Kapelle im Münster und beten vertrauensvoll zu ihr. Alljährlich begeht das Kloster zusammen mit den zahlreich erscheinenden Gläubigen des Chiemgaus ihren Todestag jeweils am Sonntag vor oder nach dem 16. Juli feierlich mit einem Pontifikalamt, begleitet von Chor und Orchester, im Münster zu Frauenwörth.

Traditionsgemäß wird der feierliche Ein- und Auszug von den Endorfer Gebirgsschützen und einer Blaskapelle geleitet. Mit einem Ehrensalut klingt das Fest im Klosterhof aus.
Traditionsgemäß wird der feierliche Ein- und Auszug von den Endorfer Gebirgsschützen und einer Blaskapelle geleitet. Mit einem Ehrensalut klingt das Fest im Klosterhof aus.