Der Heilige Benedikt und seine Regel

Der Benediktinerorden wurde nach seinem Gründer, dem Mönchsvater Benedikt von Nursia, benannt. Benedikt, um 480 in Nursia (Norcia) geboren und zwischen 547 und 560 gestorben, gilt als Vater des abendländischen Mönchtums und wurde von Papst Paul VI. 1964 zum Patron Europas erklärt. Kunde von seinem Leben gibt das 2. Buch der "Dialoge", das Papst Gregor dem Großen zugeschriebenen wird:

Benedikt verließ als junger Mann die ihm verderblich erscheinende Studienstadt Rom und wurde Mönch in der Einsamkeit der Berge von Subiaco. Als sich Schüler um ihn sammelten, ordnete er ihr Leben in kleinen klösterlichen Gemeinschaften. Um 529 zog er nach Süden, um auf dem Montecassino ein Kloster zu errichten, das einer großen Gemeinde Raum gab.


Geschichtlich wirksam wurde Benedikt vor allem durch seine Regel, die sich im 8. Jh. in den Klöstern des Abendlandes als bestimmende Norm durchsetzte und bis heute ungezählten Menschen geistliche Weisung gibt. In ihr nimmt er die Tradition der monastischen Bewegung des 4. und 5. Jh. auf, verweist selber auf den "heiligen Vater" Basilius und die Schriften Cassians. 

Die 73 Kapitel der Regel enthalten in Ausrichtung am Evangelium allgemeine Grundsätze geistlicher Lehre und zugleich konkrete Anweisungen zur Gestaltung des Gemeinschaftslebens. Sie zeigen eine große Offenheit und zeichnen sich durch "discretio", durch weise Maßhaltung, durch die Gabe der Unterscheidung aus. Die gemeinsame Suche nach Gott bedarf der rechten Ordnung der gemeinsamen Zeiten und Dinge, des Betens (dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden) und Arbeitens, des Essens und Schlafens. So entsteht eine Friedensordnung, in der die Gleichheit aller vor Gott und die Gemeinsamkeit des Besitzes gewahrt, aber zugleich auf die Verschiedenartigkeit der einzelnen, ihre Bedürfnisse und Schwächen Rücksicht genommen wird.

Grundhaltungen benediktinischer Gottsuche sind: das Horchen ("Höre ..., neige das Ohr deines Herzens..." - so beginnt die Regel); der Gehorsam als Suche nach dem Willen Gottes (ihn zu deuten, wählt sich die Gemeinschaft einen Abt); die Demut, die im 7. Kapitel als Nachahmung der Erniedrigung Christi und als Weg zur vollkommenen Liebe beschrieben wird; die Beständigkeit (stabilitas), durch die der Mönch beharrlich auf diesem Weg und in seiner Gemeinschaft bleibt.